Schwerpunkt

Neustart mit Chancen

Interview mit der Bundesvorsitzenden der GPA-djp, Barbara Teiber: Sozial gerechter Neustart gefordert

Was bringt den Arbeitnehmer*innen die Corona-Soforthilfe für Unternehmen?

Wenn die Soforthilfe wirklich in den gefährdeten Unternehmen ankommt und dadurch Kündigungen und Arbeitslosigkeit verhindert werden kann, dann ist natürlich den Beschäftigten geholfen. In diesem Zusammenhang ist das Instrument der Kurzarbeit ein zentrales und es wird ganz wichtig sein, dass es auch weitergeführt wird. In gewissem Sinne sind alle Arbeitnehmer*innen Held*innen. Für Gruppen, die sich besonders den Gefahren ausgesetzt haben, soll der Staat den „Corona-Tausender“ als Extraprämie auszahlen, so unsere ÖGB-Forderung. Und ganz wichtig: Für jene, die jetzt den Job verloren haben, ist es essentiell, dass das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent des Nettoeinkommens erhöht wird. Das wäre auch für die Inlandsnachfrage wichtig.

Welchen Rahmen braucht es für Home Office?

Home Office kann für Arbeitnehmer*innen einige Vorteile bringen: Anfahrtswege fallen weg und es kann mitunter konzentrierter in gewohnter Umgebung gearbeitet werden. Allerdings verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Die Arbeit zu Hause kann zu Isolation und mangelnder Kommunikation untereinander und mit den Betriebsrät*innen führen. Als Ergänzung zu gemeinsamer Arbeit im Betrieb ist Home Office sinnvoll – Büroflächen deshalb einzusparen aber nicht.  Es ist wichtig, die Rechte und Pflichten in einer Betriebsvereinbarung genau zu regeln, damit das wirtschaftliche Risiko nicht auf die Beschäftigten verlagert wird. Home Office ist jedenfalls nicht der Schlüssel zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Betreuungspflichten. 

Die kritische, soziale Infrastruktur hat sich vor allem dort bewährt, wo sie in öffentlicher Hand ist. Wie kann man diese stärken?

Ohne öffentlichen Sektor kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Wir sehen, dass es enorm hohe Risiken birgt, sich mit lebenswichtigen Gütern von privatwirtschaftlichen Unternehmen, die v. a. in Asien produzieren lassen, abhängig zu machen. Österreich kommt vergleichsweise gut durch die Krise und ist dort handlungsfähig, wo Teile der Daseinsvorsorge von öffentlichen gemeinwirtschaftlichen Unternehmen erbracht werden. Nach der Krise werden wir langfristig höherer öffentlicher Ausgaben bedürfen, um etwa den steigenden Bedarf im Gesundheits- und Pflegesektor zu finanzieren. Es braucht wieder vermehrt öffentliche Beteiligung an privatwirtschaftlichen Unternehmen. 

 Rütteln Coronakrise und Klimawandel am Wachstums-Dogma?

Wir wissen, dass das Wirtschaftswachstum nicht den Wohlstand misst oder für Verteilungsgerechtigkeit sorgt. Es geht jetzt nicht einfach darum, dass die Wirtschaft wächst, sondern dass die Arbeitslosigkeit rasch wieder abgebaut wird. Und es geht darum, dass wir die Wirtschaft auf Klimaneutralität umbauen. Investitionen in Klimaneutralität schaffen eine Win-Win-Situation. Sie erhöhen unmittelbar die Beschäftigung und sie schaffen einen langfristigen Nutzen.