Wirtschaft & Umwelt - Zeitschrift für Umweltpolitik und Nachhaltigkeit

Kontroverse: Brauchen Arbeitslose mehr unterstützende Maßnahmen?

Pro:
Gute Vermittlung und Qualifizierung wirken besser als Druck auf arbeitslose Menschen.

Wer meint, dass nun nach der dramatischen Arbeitsmarktkrise des Vorjahres wieder alles im Lot ist, irrt. Auch wenn die Zahl der offenen Stellen steigt und die Arbeitslosenzahl sinkt, gibt es viele Herausforderungen am Arbeitsmarkt.

Der Wirtschaftsaufschwung erreicht nicht alle. Jene, die vorher nur schwer eine Beschäftigung gefunden haben, haben auch jetzt deutlich geringere Chancen. Dies betrifft Ältere, beeinträchtigte Menschen und Frauen – speziell mit Betreuungspflichten. Wenn Unternehmen hier keine Perspektiven bieten können, kann die Jobgarantie, also öffentliche Beschäftigung für Langzeitarbeitslose im Rahmen gemeinnütziger sozial-ökologischer Vorhaben, ein Weg in die Zukunft sein.

Der Strukturwandel mit der Bewältigung der Klimakrise und der fortschreitenden Digitalisierung stellt hohe Anforderungen an das berufliche Wissen und Können der Arbeitnehmer*innen. Dafür brauchen sie Unterstützung: Sowohl für Arbeitsuchende als auch für Arbeitnehmer*innen muss es daher ein Recht auf finanziell gut abgesicherte Qualifizierung geben. 

Die Basis dafür kann eine Reform der Arbeitslosenversicherung sein. Diese muss Menschen bei Arbeitslosigkeit besser als derzeit vor sozialem Abstieg und Armut schützen. Daher braucht es eine armutsfeste Existenzsicherung durch eine Anhebung der Nettoersatzrate auf 70 Prozent und modernisierte Zumutbarkeitsregeln, die es ermöglichen, am bisherigen Einkommen und den erworbenen Fähigkeiten anzuknüpfen.

Con: Schwung am Arbeitsmarkt durch Fokus auf Vermittlung, mehr Beschäftigungsanreize und betriebsnahe Ausbildungen verstärken. 

Der österreichische Arbeitsmarkt hat sich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie nahezu erholt. Aktuell sind beim AMS sogar so viele offene Stellen gemeldet wie nie zuvor: die Gesamtzahl liegt über 200.000. Gleichzeitig haben viele Betriebe aber Schwierigkeiten damit, ihre Stellen zu besetzen und leiden unter Fachkräftemangel.

Um eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit (wie nach der Krise 2008/09) zu vermeiden, sollten die Menschen rasch in Beschäftigung gebracht werden. Dafür braucht es verstärkte Beschäftigungsanreize und eine konsequente Vermittlung durch das AMS. Langzeitarbeitslose sollen durch Eingliederungsbeihilfen des Programms Sprungbrett bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt unterstützt werden. Aufgrund des großen Ost-/Westgefälles am Arbeitsmarkt wäre es wichtig, auch die überregionale Vermittlung von Arbeitslosen ohne Betreuungspflichten weiter auszubauen und unterstützend zu begleiten. Im Zuge eines Reformdialogs sollte auch über eine degressive Staffelung des Arbeitslosengelds gesprochen werden, diese sollte aber kostenneutral gestaltet werden.

Bei Weiterbildungen sind betriebsnahe Qualifizierungen wie AQUA bzw. Implacementstiftungen besonders erfolgversprechend und sollten ausgebaut werden.  Zum Beispiel die geplante Umweltstiftung, die über die sozialpartnerschaftlich getragene Aufleb GmbH, abgewickelt werden soll und Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich green jobs anbietet.