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Re-Use in Sozialen Unternehmen: Win-win für Arbeitsmarkt und Klima

Im Jahr 2024 wurden weltweit rund 120 Millionen Tonnen Bekleidung aussortiert. Etwa 80 Prozent davon wurden deponiert oder verbrannt, rund 12 Prozent wurden wiederverwendet und nur weniger als ein Prozent zu neuen Textilfasern recycelt. Den dabei Jahr für Jahr verlorenen Materialwert beziffert die Boston Consulting Group in ihrer Studie „Spinning Textile Waste into Value“ auf 150 Milliarden US-Dollar. Die Ursache für diese enormen Verluste liegt im Aufbau der Kleidungsstücke selbst. Moderne Textilien sind Mischgewebe. Wie sich die gemischten Fasern später trennen lassen, spielt bei der Herstellung keine Rolle. Das erschwert das Recycling. Es bleibt allerdings ein Weg zurück in den Kreislauf, der auch ganz ohne Technologie auskommt: Ein Kleidungsstück, das weitergetragen wird, muss niemand zerlegen. Es muss nur jemand in die Hand nehmen und beurteilen, ob es weiterhin tragbar ist.

Was Österreich liegen lässt

Seit dem 1. Jänner 2025 müssen Alttextilien in allen EU-Mitgliedstaaten getrennt gesammelt werden. Die Mengen wachsen deshalb, doch die Kapazität, sie zu sortieren, bleibt gleich. Nur ein kleiner Teil der hierzulande gesammelten Alttextilien wird wiederverwendet oder stofflich verwertet, alles andere geht in den Export oder wird verbrannt. Hier kommen Soziale Unternehmen ins Spiel. Über ein Drittel der 150 im österreichischen Netzwerk arbeit plus zusammengeschlossenen gemeinnützigen Betriebe arbeitet in der Kreislaufwirtschaft, vom Bau- und Baunebengewerbe über Reparatur und Upcycling bis hin zum Secondhandhandel. Die CO2-Einsparung aller Sozialen Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft entspricht dem Jahresausstoß von 70.000 Österreicher:innen.

Insbesondere bei Textilien sind Soziale Unternehmen das Rückgrat für Wiederverwendung in Österreich. Jährlich kommen dort zwanzigtausend Tonnen zusammen, mehr als die Hälfte aller getrennt gesammelten Textilien Österreichs. Etwa dreißig Prozent davon werden im Land aufbereitet und so viel wie möglich wiederverkauft. Damit werden Tausende Arbeitsplätze geschaffen. Zwei Drittel der Betriebe arbeiten im Auftrag von Gemeinden, die damit zugleich Entsorgungssicherheit und regionale Beschäftigung gewährleisten. 

Allerdings erreichen die vorhandenen Anlagen nur 28 Prozent der Altkleider-Sammelmenge. Eine Studie des Instituts pulswerk im Jahr 2023 belegt, dass für eine flächendeckende Sortierung Standorte und Kapazitäten fehlen. Ob sie entstehen, hängt vor allem von den Förderbedingungen ab. Wie diese ausgestaltet werden müssten, ließe sich in Vorarlberg erproben. Die Region arbeitet bereits mit einer Vollsortierung, die sich am Erlöswert der Ware ausrichtet. Die Ergebnisse eines derartigen Pilotprojektes könnten auf ganz Österreich 
ausgeweitet und umgesetzt werden.

Zwei Ziele, ein Arbeitsschritt

Die Kreislaufwirtschaftsexpertise der Sozialen Unternehmen ist vor allem durch AMS-Förderung entstanden, die zum Ziel hat, benachteiligte Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Österreichweit finden in Sozialen Unternehmen 25.000 Menschen im Jahr eine befristete Beschäftigung. Die Fördersystematik erfasst allerdings bislang nur die arbeitsmarktpolitischen Ziele, die ökologische Leistung wird kaum berücksichtigt. 

Deshalb treten arbeit plus und die Interessensvertretung Re-Use Austria für eine Förderung ein, die Kreislaufwirtschaft und Arbeitsmarkt gemeinsam berücksichtigt, um Arbeitsmarkt- und Umweltnutzen voll auszuschöpfen. Für die Beschäftigten ist die Verweildauer entscheidend: Ein Transitarbeitsverhältnis dauert im Schnitt sechs Monate. Längere Verweildauern, höhere Löhne und zertifizierte Berufe könnten daraus jedoch eine echte Qualifikation für den Arbeitsmarkt machen.

Wer den Markt organisiert

Mit der überarbeiteten EU-Abfallrahmenrichtlinie 
kommen auf alle Mitgliedstaaten verbindliche Regeln für EPR-Systeme (Extended Producer Responsibility) zu. Hersteller und Importeure werden damit verpflichtet, die Kosten für Sammlung, Sortierung und Behandlung von Alttextilien zu tragen. arbeit plus und Re-Use Austria schlagen eine Teilung dieser Kosten vor: Sammlung und Sortierung sollte in kommunal-sozialwirtschaftlicher Trägerschaft erfolgen, mit dem Auftrag, die Re-Use-Fraktion zu maximieren. Die Verantwortung für Recycling und Entsorgung sollte hingegen bei den Herstellern und deren Organisationen liegen. Aus den EPR-Gebühren sollte ein Re-Use-Fonds für Sortier­anlagen, Qualifizierung und Logistik entstehen.

Dies wird allerdings erst über verbindliche Re-Use-Quoten im Land funktionieren, die in Kilogramm je Einwohner:in bemessen werden und bei Zielverfehlung zu Sanktionen führen. Ohne diese Quoten bleibt der Export die günstigste Option. Bis dies durchgesetzt ist, kann eine Überbrückungsfinanzierung für 2026, wie sie das Sozialministerium bereits 2025 bereitgestellt hat, die Strukturen erhalten. Karoline Mätzler, Vorstandsmitglied von arbeit plus und Fachbereichsleiterin bei carla Vorarlberg: „Die EU gibt klar vor, dass die Herstellerverantwortung die bestehenden Strukturen Sozialer Unternehmen zu erhalten hat. Österreich muss ihre Rolle in Sammlung, Sortierung und Re-Use absichern und angemessen finanzieren.“ Als Netzwerke Sozialer Unternehmen sind Re-Use Austria und arbeit plus die zentralen Ansprechpartner. Dazu braucht es Sitz und Stimme in den EPR-Gremien. Dort entscheidet sich, wo die österreichischen Alttextilien künftig sortiert werden und welche Wertschöpfung sich ökologisch und für den Arbeitsmarkt erzielen lässt.