Betrieb

Unbekannter Weltmarktführer vor den Toren Wiens

Die Geschichte des Unternehmens reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Damals produzierte das Schweizer Unternehmen Brown, Boveri & Cie am Standort in Wiener Neudorf elektrische Ausrüstungen. Es folgten ein Eigentümerwechsel und schließlich ein Management-Buyout durch den heutigen Geschäftsführer Robert Tencl und andere. Die derzeitigen Besitzverhältnisse lauten: 48 Prozent PCS Holding, 37 Prozent Voith und 15 Prozent Robert Tencl. 

Von den weltweit 750 Beschäftigten arbeiten rund 430 im Stammwerk in Wiener Neudorf. Der Frauenanteil lag 2024 bei ausbaufähigen 11,3 Prozent. Arbeitsintensive Produktionsschritte, wie das händische Wickeln von Kupferdrähten auf Spulen, wurden in das bosnische Zweigwerk nach Tuzla ausgelagert.

E-Busse sind im Kommen

Mit der jährlichen Produktion von 10.000 Elektromotoren für die Schiene ist TSA Weltmarktführer. Kein anderes Unternehmen stellt aktuell in diesem Marktsegment eine größere Stückzahl her. Die Produktpalette umfasst 45 Varianten für Lokomotiven, Hochgeschwindigkeitszüge sowie Straßen-, Schnell- oder U-Bahnen. Damit werden rund 70 Prozent des Umsatzes erzielt. Weitere 20 Prozent entfallen auf rund 1.500 Elektromotoren pro Jahr für Straßennutzfahrzeuge, wie beispielsweise für Linienbusse oder auch Kleintransporter. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich dieses Verhältnis zugunsten der Straßenfahrzeuge kontinuierlich verbessert, da Busse mit Verbrennungsmotoren zunehmend aus europäischen Städten verbannt und durch emissionsfreie Antriebe ersetzt werden. Die restlichen zehn Prozent steuert das Service- und Ersatzteilgeschäft bei.

Damit das Unternehmen für zukünftige Produktionsausweitungen – speziell im Busbereich – gewappnet ist, sollen bis zum Jahr 2030 35 Millionen Euro investiert und 100 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. So ist die Kfz-Motorenfertigung in eine benachbarte Halle übersiedelt. In einem neuen Zubau soll eine größer dimensionierte Stanz­anlage untergebracht werden. Dort werden Blechlamellen ausgestanzt und zu Rotor- und Statorpaketen verbunden. 

Als Strategie gegen den Fachkräftemangel ist die TSA Kooperationen mit Höheren Technischen Lehranstalten und Fachhochschulen eingegangen. Derzeit werden 16 Lehrlinge in den Bereichen Metalltechnik und in Mechatronik ausgebildet. Das Arbeitsklima wird vom Betriebsrat als gut beschrieben. Eine Werksküche versorgt die Angestellten und die erste Schicht mit warmem und vom Unternehmen bezuschusstem Essen. Für die Nachmittagsschicht stehen Fertiggerichte und Mikrowellengeräte zur Verfügung. Das betriebliche Mobilitätsmanagement beschränkt sich auf ein kostenloses Fahrradservice, was auch am großen und stark frequentierten Pkw-Parkplatz ersichtlich ist. Außerdem wird den Mitarbeiter:innen eine betriebliche Altersvorsorge angeboten.

TSA treibt Wien an

TSA kann einen großen Heimmarkt vorweisen. So werden alle Schienenfahrzeuge der Wiener Linien (also U-Bahnen und Straßenbahnen) von TSA-Aggregaten angetrieben. Im Jahr 2024 konnte bereits der fünftausendste Motor an die Wiener Linien ausgeliefert werden. 

Insgesamt hat TSA Motoren in 70 Länder der Welt verkauft. Für das Jahr 2026 ist die Produktion bereits ausgelastet. Im Hinblick auf die Fußball-WM 2030 in Spanien, Portugal und Marokko oder die Olympischen Sommerspiele 2028 und 2032 sind in den jeweiligen Ländern zahlreiche Infrastrukturprojekte im Bereich Mobilität geplant. Hier erhofft sich das Unternehmen entsprechende Aufträge. Ein weiteres langfristiges Projekt ist die Produktion von bis zu 4.500 Motoren für die Berliner U-Bahn. Zusätzlich wurde ein Vertrag über die Bereitstellung von Ersatzteilen für die kommenden 32 Jahre abgeschlossen. Es handelt sich hierbei um einen der größten Lieferaufträge, die jemals in Europa vergeben wurden.

All das sind Faktoren, die eine gesicherte Zukunft für das Unternehmen erwarten lassen. Rückenwind kommt nun auch von der Bundespolitik, da die Bahnindustrie bei der kürzlich vorgestellten Industriestrategie eine Schlüsselrolle einnehmen soll. Damit haben sich die Chancen zur Umsetzung der längst fälligen Mobilitätswende verbessert. Diese könnte eine Win-win-Situation darstellen: Mobilität würde durch den Ausbau der Öffis bequemer, sauberer und günstiger werden, während gleichzeitig damit Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden könnten.