Kommunikation

Das Ende der Schnauferl

Mobilitätswende

Über den Niedergang der deutschen Automobilindustrie wurde bereits viel geschrieben und es wird wohl noch viel darüber geschrieben werden. Der Autor Timo Daum zeigt jedoch detailliert auf, warum eine ganze Branche ihren technologischen Kurs nicht verlassen konnte. Pfadabhängigkeiten und das Verharren in tradierten Denkmustern sind der Grund, warum der absehbare Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ignoriert wurde – selbst dann, als die Innovationsentwicklung bei Tesla konkrete Formen annahm. Das Buch liest sich leicht und ist gespickt mit Zitaten deutscher Politiker:innen. Herauszuheben sind dabei Markus Söder und Angela Merkel, die bereits vor 2010 den Umstieg auf die Elektromobilität forderten, jedoch von der deutschen Auto-Lobby ausgebremst wurden. Eine Pflichtlektüre für alle, die Industriepolitik nicht länger den Unternehmen überlassen wollen. FG

Der Abschied von Golf und Diesel. Teslas Rolle beim Niedergang der deutschen Autoindustrie
Timo Daum, transcript (2026)

Kampf gegen den Mist 

Aktionswoche

Auch dieses Jahr findet mit zahlreichen Aktionen wieder die „Europäische Woche der Abfallvermeidung“ statt. Den Leser:innen der WUM muss nicht groß erklärt werden, wie sinnvoll Re-Use und Reduce sind und dass wir es idealerweise gar nicht erst bis zum Recycling kommen lassen sollten. Siehe hierzu nur das letzte Heft 2/2026 zur „Kreislaufwirtschaft“. Bei der Abfallvermeidung geht es aber auch darum, dass möglichst alle mitmachen. Deshalb laden Politik und Kunst am 26. November 2026 gemeinsam zur „Tschickstummelchallenge“ ins Favoritener Bezirksamt. Ein ganzer Abend mit Stadtrat, Künstler:innen und Aktivist:innen zum Thema, wie sich der Mist aus der Stadt raushalten lässt. FJ

26. November 2026, 18:00–21:00 Uhr
Magistratisches Bezirksamt 10. Bezirk,
Laxenburger Straße 43–47 , 1100 Wien 

Zahlreiche weitere Aktionen gibt es auch in Ihrer Nähe: 
https://ewwr.eu/

Wege aus der Krise

Planung

Jahrzehntelang galt wirtschaftliche Planung als Gegenmodell zur freien Marktwirtschaft und als Relikt vergangener Zeiten. Angesichts der Klimakrise stellen der Soziologe Cédric Durand und der Ökonom Razmig Keucheyan diese Frage neu: Kann der soziale und ökologische Umbau ohne gesellschaftliche Steuerung überhaupt gelingen? Sie argumentieren, dass weder grünes Wachstum noch individuelle Verhaltensänderungen ausreichen werden, um Produktion, Energie und Konsum innerhalb der planetaren Grenzen zu organisieren. Es brauche stattdessen demokratische Planung, die Prioritäten setzt und wirtschaftliche Prozesse an gesellschaftlichen Bedürfnissen und ökologischen Notwendigkeiten ausrichtet. Dabei geht es nicht um eine Rückkehr zu zentralistischen Modellen, sondern um eine neue Form der Planung: dezentral, partizipativ und ökologisch. Planung wird dabei nicht als Einschränkung verstanden, sondern als Voraussetzung, um gemeinsame Ziele überhaupt verwirklichen zu können. Ein kämpferischer Beitrag zu einer Debatte, die angesichts der fortschreitenden Klimakrise immer wichtiger wird. LW

Das Prinzip Verzweigung. Über ökologische Planung in Wirtschaft und Gesellschaft
Cédric Durand, Razmig Keucheyan Karl Dietz Verlag (2026)

Bilder für den Frieden

Ausstellung

Derzeit ist im Frauenmuseum Hittisau in Vorarlberg die Ausstellung „Frieden tun.“ über Gerechtigkeit, Demokratie und Geschlecht zu sehen. Sie geht der Frage nach, was es braucht, um Frieden zu leben, zu bewahren oder zu erkämpfen. Dabei wird Frieden nicht als abstrakter Begriff verstanden, sondern als aktive Aufgabe im Alltag und in der Gesellschaft. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die Perspektive von Frauen* und marginalisierten Gruppen gelegt, denn ihre Erfahrungen bleiben in klassischen Friedensnarrativen oft unsichtbar. Mit Arbeiten verschiedener Künstler:innen wie Rufina Bazlova, Francesca Centonze oder Käthe Kollwitz werden auch künstlerische Positionen gezeigt, die sich vielschichtig mit Konflikt, Versöhnung, Erinnerung, Gerechtigkeit und Geschlecht auseinandersetzen. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 28. März 2027. JF

Frauenmuseum Hittisau
Bis 28. März 2027
www.frauenmuseum.at/frieden

Wider die Verzweiflung

Untergang

Die Journalistin Sarah Wilson liefert einen Beipackzettel zu ihrer Arbeit: Sie sei bipolar und mitten in der Menopause, was eine explosive, emotionale Mischung sei. Für ihr Buch hat sie aber mit 200 Expert:innen geredet und die dadurch gewonnenen Erkenntnisse lassen wohl allen Leser:innen den Kopf rotieren. In aller Kürze: Die Zivilisation wird sich nicht aufrechterhalten lassen. Die Zeitpunkte, zu denen wir den Zerfall noch hätten aufhalten können, haben wir verstreichen lassen. Daraus entwickelt Wilson eine Geschichtsphilosophie des Zusammenbruchs „zu komplexer“ Gesellschaften, die etwas zusammengezimmert wirkt. Viel stärker ist ihr Text auf einer menschlichen Ebene. Wenn Konsum als Lebensinhalt wegfällt, wie wäre es dann stattdessen mit Solidarität? Sie empfiehlt, Gruppen zu bilden oder bestehende zu stärken. Weniger „Anlassgruppen“, die statistisch nach fünf Jahren zerfallen, sondern lieber Hausgemeinschaften, die beispielsweise einen Garten gemeinsam bewirtschaften. Gemeinschaften, die sich ihrer schwierigen Lage bewusst werden, sind befreit und können sich den jetzt nötigen Aufgaben stellen. In diesem Sinne: Bildet Banden! FJ

I Eat The Stars. How to Live Fully and Beautifully in a Collapsing World
Sarah Wilson
Pinguin Random House (2026) In englischer Sprache.


Zu guter Letzt

Schluss mit Greenwashing

Grünes muss jetzt auch wirklich grün sein. Durch die Novelle des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) werden ab September 2026 die Vorgaben der EU-Richtlinie „Empowering Consumers“ (EmpCo) umgesetzt. Unternehmen dürfen dann beispielsweise nicht mehr pauschal mit „grün”, „umweltfreundlich” oder „nachhaltig” werben, sondern müssen dies im gleichen Kommunikationsmedium konkretisieren und belastbare Belege für ihre Behauptungen vorlegen. FJ