Siegeszug der Fischereilobby: Ökosysteme
Der weltweite Hunger nach Fisch steigt seit Jahrzehnten stark an. Zwischen 1950 und 2022 hat sich der globale Fischverbrauch nahezu verzehnfacht. Mittlerweile gelten 38 Prozent der Gesamtbestände als überfischt – Tendenz weiter steigend. Am Beispiel des Herings lassen sich der drastische Rückgang der Bestände und das politische Versagen beim Schutz der Meeresökosysteme gut nachvollziehen. Seit Jahren gilt der Hering in der Ostsee als stark gefährdet, weshalb er eigentlich von der aktiven Fischerei ausgenommen sein sollte. Ausnahmeregelungen führen jedoch dazu, dass jährlich bis zu 800 Tonnen Hering in der EU gefischt werden. Umweltschutzorganisationen fordern deshalb längst ein striktes Fangverbot. Entgegen der Empfehlung der EU-Kommission einigten sich die EU-Staaten im Oktober jedoch auf die Beibehaltung der Ausnahmeregelungen. Der deutsche Landwirtschaftsminister Alois Rainer begründete diesen Schritt mit der Bewahrung des „einzigartigen Kulturguts“ der Fischerei.
